verfasst von Valentin Farnung & Emily Herrmann, DACH – Politikanalyse

Nach der Bundestagswahl 2025 steht Deutschland vor einem tiefgreifenden Wandel – nicht nur in den Wahlergebnissen, sondern vor allem in der anschließenden Phase der Regierungsbildung. Unsere aktuelle Analyse beleuchtet die Sondierungsgespräche zwischen CDU/CSU und SPD, zeigt den Generationenwechsel im Parlament auf und gibt einen umfassenden Einblick in die zentralen politischen Herausforderungen, die den Koalitionsprozess prägen werden.

 

1. Neue Zusammensetzung des Parlaments

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen, dass frische Impulse und bewährte Erfahrung künftig aufeinanderprallen. Die Daten aus unserer Analyse machen deutlich, dass bei den Fraktionen ein deutlicher Wandel stattfindet. So konnten bei der CDU/CSU 60 neue Abgeordnete gewonnen werden – bei 148 der Altbewährten bleibt die Kontinuität erhalten. Ähnlich verhält es sich bei der AfD, wo 92 Neue und 60 Wiedergewählte ins Parlament einziehen. Besonders bemerkenswert ist jedoch die Entwicklung bei der SPD und vor allem bei Die Linke. Während die SPD nur 11 Neuzugänge verzeichnen konnte und somit auf eine überwiegend bewährte Besetzung setzt, zeigt sich bei Die Linke ein massiver Generationenwechsel, 46 neue Abgeordnete treffen auf lediglich 18 Wiedergewählte. Dieser radikale Wandel deutet auf eine Neuausrichtung der Partei hin.

2. Demografische Entwicklung: Frauenanteil und Migrationshintergrund im Bundestag

Die Zusammensetzung des Bundestags nach der Wahl 2025 bietet nicht nur Einblicke in den politischen Wandel, sondern auch in die Repräsentation gesellschaftlicher Gruppen. Unsere Analyse zeigt, dass der Frauenanteil je nach Fraktion stark variiert. Während Parteien wie die Linke (56, 25%) und die SPD (41,6%) eine vergleichsweise hohe Anzahl weiblicher Abgeordneter aufweisen, bleibt der Anteil bei der CDU/CSU mit nur 23 % weiterhin niedrig. Die AfD hat den geringsten Frauenanteil mit 11,8 %, während die Grüne den Gegenpol bietet mit dem höchsten Frauenanteil von 61,2%. Diese Unterschiede verdeutlichen die unterschiedlichen Strategien der Parteien in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit und politische Teilhabe.
Auch der Anteil der Abgeordneten mit Migrationshintergrund zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Fraktionen. So liegt dieser bei der CDU/CSU lediglich bei 6,3 %, während andere Parteien wie die Grünen und die Linke Werte von bis zu 20 % erreichen. Diese Zahlen werfen Fragen zur politischen Repräsentation auf.

2. Herausforderungen der Regierungsbildung

Die anstehenden Sondierungsgespräche stellen die Akteure vor eine Vielzahl strategischer Herausforderungen. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Koalitionsdynamik zwischen CDU/CSU und SPD. In der aktuellen politischen Konstellation gilt die SPD als der einzig realistische Koalitionspartner für die CDU/CSU. Diese eingeschränkte Auswahl verleiht der SPD eine starke Verhandlungsposition, während diese gleichzeitig mit internen Herausforderungen wie dem bevorstehenden Mitgliederentscheid konfrontiert wird – ein Entscheid, der als potenzielles Risiko für die Stabilität der Koalitionsbildung gesehen wird, aber auch als Hebel in den Verhandlungen genutzt werden kann.
Ein weiteres zentrales Thema ist der Umgang mit NGOs. Während die CDU/CSU verstärkt die Überprüfung der politischen Neutralität staatlich geförderter NGOs fordert und Bedenken hinsichtlich ihrer Finanzierung und Einflussnahme äußert, wird in der Debatte die Bedeutung der NGOs für eine funktionierende Demokratie betont. Diese Spannungen verdeutlichen, wie sehr der politische Diskurs auch externe Akteure in den Fokus rückt und das Vertrauen in die Institutionen auf die Probe stellt.
Nicht zuletzt spielt auch der straffe Zeitplan eine wesentliche Rolle. Die Koalitionsgespräche sollen – wie von Merz angekündigt – möglichst zügig, etwa bis Ostern, abgeschlossen werden. Dabei muss jedoch auch darauf geachtet werden, dass gründliche Verhandlungen geführt werden, um nachhaltige Kompromisse zu erzielen und langfristig stabile Regierungsstrukturen zu schaffen.

„Angesichts der außenpolitischen Herausforderungen und der geopolitischen Unsicherheiten wird die Regierungsbildung trotz tiefgreifender inhaltlicher Differenzen zwischen CDU/CSU und SPD zügig voranschreiten müssen. Die Notwendigkeit einer handlungsfähigen Regierung überwiegt die parteipolitischen Spannungen – eine Situation, die Kompromisse in zentralen Fragen wahrscheinlicher macht.“ – Valentin Farnung, Senior Political Analyst
3. Politische Agenda der neuen Regierung

Neben den strukturellen Herausforderungen skizziert unsere Analyse bereits konkrete politische Schwerpunkte, die die künftige Regierungsarbeit prägen könnten. Im Bereich der Energiepolitik etwa wird der Ausbau erneuerbarer Energien unter einem technologieoffenen Ansatz vorangetrieben. Ziele der CDU/CSU wie die Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß und die Halbierung der Netzentgelte stehen ebenso im Fokus wie die kontroverse Diskussion über die potenzielle Option von Atomkraft.
Auch wirtschaftspolitisch sollen Maßnahmen wie die Reduktion der Unternehmenssteuer auf maximal 25 Prozent sowie neue Finanzierungsmodelle – etwa über den Deutschlandfonds oder „Made in Germany“-Investitionsboni – den Weg für nachhaltiges Wachstum ebnen. Gleichzeitig wird in der Debatte um soziale Absicherung der radikale Schritt diskutiert, das Bürgergeld abzuschaffen und durch ein System mit verstärkten Mitwirkungspflichten zu ersetzen, dies von Seiten der CDU/CSU.
Die Fachkräfteeinwanderung erfährt einen zusätzlichen Schub durch eine umfassende Fachkräfteoffensive, die unter anderem auf die vereinfachte und beschleunigte Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen setzt. Parallel dazu werden im Bereich der Grünen Transformation und der Automobilindustrie Maßnahmen wie feste Quoten für klimaneutrale Produkte und der Ausbau der Ladeinfrastruktur vorangetrieben, während auch in der ESG-Gesetzgebung regulatorische Anpassungen an den Start gehen.

4. Zeitplan der Regierungsbildung

Der gesamte Regierungsbildungsprozess verläuft in einem straffen Zeitrahmen. Bereits am 23. Februar fand die Bundestagswahl statt, gefolgt vom Beginn der Sondierungsgespräche am 28. Februar. Zwischen dem 24. und 26. Februar traten die konstituierenden Sitzungen der Bundestagsfraktionen zusammen, und am 12. März findet die Ministerpräsidentenkonferenz statt. Weitere Meilensteine werden die die Sitzung des Bundesrates am 21.März, sowie konstituierende Sitzung des Bundesrates am 25. März, der Fristtermin für Einsprüche zur Bundestagswahl am 25. April sowie das von der Union angestrebte Zieldatum für die Regierungsbildung am 20. April sein. Nicht zu vergessen ist der FDP-Bundesparteitag zwischen dem 15. und 17. Mai, der in den Zeitraum der voraussichtlichen Besetzungen der Ausschüsse fällt, welche im Mai stattfinden werden. Dieser enge Zeitplan unterstreicht den hohen Druck und die Dringlichkeit, mit der nachhaltige Kompromisse gefunden werden müssen.

Ausblick und Fazit

Die Sondierungsgespräche zwischen CDU/CSU und SPD eröffnen nicht nur neue strategische Spielräume, sondern stellen auch die Weichen für tiefgreifende Veränderungen im Parlament. Der massive Generationenwechsel – insbesondere bei Die Linke – und die differenzierten Ansätze der beiden größten Parteien in Schlüsselthemen wie der Koalitionsdynamik, dem Umgang mit NGOs oder der Migrations- und Wahlrechtsreform werden den Verlauf der Verhandlungen maßgeblich beeinflussen.

Für Entscheider und Interessierte bietet unsere Koalitionsanalyse eine fundierte Basis, um den komplexen politischen Wandel zu verstehen und strategisch darauf zu reagieren. Nutzen Sie die Chance, sich durch unser kommendes Webinar noch intensiver mit diesen Themen auseinanderzusetzen – Datum und weitere Informationen folgen in Kürze.
Oder kontaktieren Sie uns direkt für eine maßgeschneiderte Analyse, die auf Ihre individuellen strategischen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

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